Keyless-Go: Sicherheitsrisiken und wie man sich schützt

26.06.2025

Was ist ein Relay-Angriff und wie funktioniert er?

Ein Relay-Angriff ist eine Schwachstelle im Keyless-Go-System, die Diebe seit Jahren gezielt ausnutzen. Das Prinzip ist einfach: Der Autoschlüssel sendet ein Funksignal an das Fahrzeug, um es zu entsperren und zu starten – typischerweise auf einer Reichweite von etwa 1 bis 2 Metern. Bei einem Relay-Angriff verlängern Diebe diese Reichweite künstlich.

Ein Täter positioniert sich in der Nähe des Hauses oder eines geparkten Autos und nutzt ein günstiges Funk-Empfängergerät (oft für 50–200 Euro erhältlich). Dieses Gerät fängt das schwache Signal des Schlüssels auf und sendet es drahtlos an einen zweiten Täter weiter, der sich unmittelbar beim Auto befindet. Dieser nutzt seinerseits einen Sender, um das Signal zu verstärken und so dem Auto zu signalisieren, dass der berechtigte Schlüssel vorhanden ist. Das Auto entsperrt sich, der Motor startet – und weg ist der Wagen.

Die ganze Operation dauert oft weniger als zwei Minuten und hinterlässt keine Spuren von Gewaltanwendung oder Sabotage.

Welche Fahrzeugmodelle sind gefährdet?

Praktisch alle modernen Fahrzeuge mit Keyless-Go sind theoretisch anfällig für Relay-Angriffe. Betroffen sind insbesondere:

  • Premium-Hersteller: BMW, Mercedes-Benz, Audi, Porsche, Lexus
  • Massenmarkt: Volkswagen, Ford, Toyota, Honda, Hyundai
  • Oberklasse und SUVs, insbesondere ab Baujahr 2010

Neuere Fahrzeuge mit modernen Sicherheitsprotokollen sind weniger anfällig, aber auch hier gibt es Lücken. Besonders attraktiv für Diebe sind hochwertige und häufig geklaute Modelle wie der BMW 3er oder der Mercedes C-Klasse.

Praktische Schutzmaßnahmen gegen Relay-Angriffe

1. Faradaybeutel für den Autoschlüssel

Ein Faradaybeutel ist eine simple und wirksame Lösung. Diese spezialisierten Taschen sind mit Materialien ausgekleidet, die Funksignale abschirmen. Der Schlüssel ist darin völlig unerreichbar für Angreifer. Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Beutel für die Frequenz Ihres Fahrzeugs zertifiziert ist (typischerweise 433 MHz oder 315 MHz in Europa). Kosten: 15–40 Euro. Diese Maßnahme ist praktisch für zu Hause und unterwegs.

2. Funk-Signalblocker

Professionelle Signalblocker verhindern die Kommunikation zwischen Schlüssel und Auto in einem bestimmten Radius. Sie werden an strategischen Orten wie Eingangsbereichen oder Garagen aufgestellt. Allerdings: Signalblocker sind in Deutschland teilweise umstritten und in manchen Fällen rechtlich fragwürdig. Informieren Sie sich vorher, ob die Verwendung in Ihrer Region erlaubt ist.

3. Keyless-Go-Funktion deaktivieren

Die sicherste Lösung: Viele Fahrzeuge ermöglichen es, das Keyless-Go-System in den Fahrzeugeinstellungen zu deaktivieren. Sie nutzen den Schlüssel dann wie früher – mechanisch. Dies eliminiert die Angriffsfläche komplett. Der genaue Weg variiert je nach Hersteller, ist aber im Handbuch dokumentiert.

4. Fahrzeug in bewachten Garagen parken

Phänomene wie Relay-Angriffe funktionieren nur, wenn Diebe Zugang zum Fahrzeug haben. Eine sichere, bewachte Garage bietet passiven Schutz. Falls nicht möglich: beleuchtete öffentliche Parkplätze bevorzugen.

Für umfassende Sicherheit können Sie auch einen professionellen Sicherheitscheck durchführen lassen oder sich über weitere Keyless-Go-Risiken informieren.

Was tun, wenn das Auto gestohlen wurde?

Handeln Sie sofort: Polizei anrufen, Fahrzeugnummer und Fahrzeugschlüssel-ID weitergeben, Versicherung benachrichtigen. Speichern Sie die Fahrgestellnummer und Schlüsselnummer separat. Falls Sie nach einem Einbruch oder Diebstahl einen neuen Schlüssel benötigen, kann unser Schlüsseldienst schnell und fachgerecht helfen.

Häufige Fragen

Ja, zertifizierte Faradaybeutel sind in dieser Preisklasse erhältlich und schützen nachweislich. Wichtig: Das Abschirmmaterial muss dicht sein und die Frequenz Ihres Fahrzeugs abdecken. Ein billiger Beutel mit Löchern oder falscher Frequenz ist wirkungslos. Achten Sie beim Kauf auf Herstellerangaben und Kundenbewertungen.

Nein. Autos ohne Keyless-Go-System sind nicht betroffen. Hat Ihr Fahrzeug von 2008 aber bereits Keyless-Go, ist es anfällig. Überprüfen Sie in Ihrem Fahrzeughandbuch oder bei Ihrem Hersteller, ob das System verbaut ist. Wenn ja, ist Deaktivierung oder ein Faradaybeutel die beste Lösung.

Wenn Sie Keyless-Go deaktivieren, nutzen Sie den Schlüssel mechanisch wie früher – öffnen, drehen, starten. Das ist für viele Nutzer ungewohnt, aber völlig normal und ohne Zusatzkosten möglich. Die exakte Anleitung finden Sie im Fahrzeughandbuch oder können diese beim Hersteller erfragen.

Die meisten Vollkaskoverversicherungen decken Fahrzeugdiebstahl ab, unabhängig davon, wie dieser erfolgt. Allerdings können Versicherer Fragen zur Prävention stellen (z.B. ob sichtbare Sicherheitsmaßnahmen genutzt wurden). Im Schadensfall müssen Sie die Stehlungsanzeige bei der Polizei erstatten und dies der Versicherung melden. Lesen Sie Ihre Versicherungsbedingungen genau oder fragen Sie Ihren Agent direkt.

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